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Chinesischer Würfel, 2011
Messing und Zinn
18,5 × 19,5 × 18 cm

Der Würfel im Würfel im Würfel … überraschend, faszinierend und eindrucksvoll. Hartmut Sys Chinesischer Würfel setzt sich mit der Kunstform der so genannten Wunderkugeln, Chinesischen Kugeln oder auch Chinesischen Bällen auseinander. Es handelt sich bei diesen um gedrechselte und teils geschnitzte Elfenbeinobjekte in Form hohler Kugeln, in deren Inneren sich weitere Hohlkugeln mit immer kleinerem Durchmesser befinden. Solche Wunderkugeln wurden nicht nur in China, sondern auch Europa gearbeitet und gehörten aufgrund ihrer Kunstfertigkeit und dem hohen Schwierigkeitsgrad ihrer Erschaffung zur Ausstattung der fürstlichen Kunst- und Wunderkammern. Es blieb jedoch nicht nur bei der Kugelform, die bereits früh von den Künstlern modifiziert wurde, so etwa durch den Elfenbeindrechsler Georg Wecker (1566-1636), der Objekte dieser Art in Form durchbrochener Polyeder schuf, von denen sich Beispiele noch heute im Grünen Gewölbe in Dresden befinden. Wollte man die dortige Sammlung in die Moderne fortsetzen, wäre der Chinesische Würfel von Sy ein bildhauerisches Werk, das die Traditionslinie der Wunderkugeln in zeitgenössische Form, Technik und zeitgemäßes Material übersetzt, bei Beibehaltung von Präzision und Eleganz.

Der 2011 geschaffene Chinesische Würfel zeigt die typischen kubischen Formen und Gitterstrukturen, die das Werk des Berliner Bildhauers Hartmut Sy kennzeichnen. Er baut sich aus Hohlwürfeln unterschiedlicher Größe auf, deren Konturen durch Messingstäbe beschrieben werden. Indem Sy diese gedreht ineinander verschränkt, verleiht er dem Objekt einen Moment der Dynamik, der den traditionellen Wunderkugeln und durchbrochenen Polyedern nicht inne ist. Dem Material verleiht Sy einen milden, das Licht in unterschiedlicher Weise brechenden Glanz, indem er es nicht ganz homogen verzinnt.

Hartmut Sys Werke bilden eine „Synthese“ aus „Nüchternheit und Poesie, Genauigkeit und Freiheit“, wie es die Bildhauer Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff, deren Assistent Sy von 1988-1993 war, einmal treffend formuliert haben. Sys Chinesischer Würfel ist hierfür ein bezeichnendes Beispiel.

Im Jahr 2016 hat der Bildhauer die Form des Chinesischen Würfels in Edelstahl und in die Größe 43 x 43 x 48 cm übertragen, wobei im Großen Chinesischen Würfel die einzelnen Hohlwürfel überdies beweglich gestaltet sind.

Dr. Anette Brunner, Galerie Koch, Hannover